Live-Stream-Gottesdienste

Gläubige erleben Osterliturgie erstmals digital

Die Glocke (14. April 2020 | yalo)

 

Die katholische Gemeinde St. Jakobus in Ennigerloh hat ihre Gläubigen an Ostern nicht im Stich gelassen. Statt die Liturgie am Sonntag wegen des Coronavirus ausfallen zu lassen, wurde diese live im Internet übertragen.

 

Die vorderen Sitzbänke der St.-Jakobus-Kirche, auf denen am Sonntagmorgen unter normalen Umständen viele Gläubige Platz genommen hätten, dienten diesmal als Ablagefläche für technisches Equipment. Wie mit diesem umzugehen ist, wussten Maximilian Happe und Florian Hille. Da der Baustoffprüfer und der Schüler nebenberuflich eine Firma für Veranstaltungstechnik betreiben, sind sie mit der für die Übertragung notwendigen Videotechnik bestens vertraut. Mit dem Fokus auf Pfarrer Andreas Dieckmann konnte der Gottesdienst nach knapp halbstündigem Glockengeläut starten. Ob bei der Lesung des Römerbriefs von Pastoralreferentin Sabine Grimpe oder der Bereitung der Osterkerze durch Diakon Paul Sommer und Pfarrer Dieckmann: Die Kamera schwenkte stets mit und ließ die Gemeindemitglieder vor ihren Rechnern an der Ostermesse teilhaben. Treue Zuschauer kannten dies bereits aus den vier vorigen digitalen Messen, unter anderem an Palmsonntag, Gründonnerstag und Karfreitag.

Wer den Gottesdienst aufmerksam verfolgte, dem fiel vor allem auf, dass er auf nahezu nichts verzichten musste. Im Gegenteil: Sogar das Blättern im Liedbuch nahmen Happe und Hille den Zuschauern ab, indem sie die passenden Liedtexte einblendeten. So blieben nur die Hostien, die den Katholiken auch digital nicht nahegebracht werden konnten.

 

Vor dem mit farbenfrohen Blumen geschmückten Altar nahm die Liturgie über eine Zeit von rund 90 Minuten ihren Lauf. Sie war, um den Spannungsbogen und die Aufmerksamkeit zu halten, um die Hälfte der sonst üblichen Zeit für eine Osterliturgie gekürzt worden.

 

Ein Plan, der offenbar aufging, denn ein Blick auf den Laptop verriet, dass zwischenzeitlich von 275 Rechnern auf das Live-Video zugegriffen wurde. „Die Zahl der Zuschauer wird noch höher sein, weil auch ganze Familien von einem Rechner aus zuschauen“, erklärte Dieckmann. Zwar biete man der Gemeinde keine Bildqualität wie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, aber man hoffe, den Menschen in Zeiten des Coronavirus Halt gegeben zu haben.

 

Das Fazit fiel positiv aus. „Wir hatten nur einen kurzen Bildaussetzer, weil der Kamerasensor überhitzt war“, sagte Happe. Sonst habe alles wie geplant funktioniert.

 

„Die leere Kirche wirkt komisch“

Mit dem Gedanken, sich die Erfahrungen mit der digitalen Kirche auch nach dem Coronavirus zunutze zu machen, tun sich die Geistlichen der St.-Jakobus-Gemeinde in Ennigerloh schwer. „Die leere Kirche wirkt komisch“, sagte Pastoralreferentin Sabine Grimpe nach der Osterliturgie am Sonntag. Auch der Gesang der Kirchenmitglieder bei den Osterliedern habe ihr gefehlt.

 

Gleicher Meinung war Pfarrer Andreas Dieckmann. „Ich nehme nicht davon mit, dass wir dauerhaft digitale Gottesdienste durchführen“, stellte er fest und ergänzte: „Wir müssen in erster Linie mit den Menschen arbeiten.“