Zeitungsartikel "Die Glocke" | 31.08.2020

 

Britta Illigens verstärkt Pastoralteam

QUEREINSTIEG GEWAGT IN DIE SEELSORGEARBEIT

Ennigerloh / Beckum (yalo). Britta Illigens ist das neue Gesicht im Pastoralteam der Pfarrei St. Jakobus Ennigerloh. Die 42-Jährige absolviert die Ausbildung zur Pastoralreferentin, die sie im Sommer 2024 abschließen möchte. Wenn Illigens darüber spricht, die Seiten gewechselt zu haben, klingt das wie das Geständnis in einem Kriminalfall. Gemeint ist jedoch ihr beruflicher Werdegang.


„Ich wollte mehr mit Menschen arbeiten“, sagt sie, als die „Glocke“ sie in ihrem Haus im Beckumer Süden besucht. Im Jahr 2013 entschied sich die gelernte Bankkauffrau, ihrer Tätigkeit als Vorstandssekretärin einer Bank nicht weiter nachzugehen. Sie wurde Pfarrsekretärin in der Propsteigemeinde St. Stephanus in Beckum. „Die richtige Entscheidung“, wie sie noch heute betont. Der Wechsel von der administrativen Tätigkeit zur sozialen Arbeit sei das gewesen, was sie gesucht habe. „Wir sind Ansprechpartner für Freud und Leid“, beschreibt Illigens, was sie an ihrer Arbeit in Beckum liebte.


Um in die Materie der kirchlichen Arbeit noch tiefer einzutauchen, entschied sich Illigens in diesem Jahr für einen unkonventionellen Weg: den Quereinstieg in die Seelsorge. Sie sitzt nun zusammen mit Mittzwanzigern im Unterricht. Ausbildungsleiterin Christel Plenter vom Institut für Diakonat und pastorale Dienste (IDP) habe sie in einem persönlichen Gespräch in dem Willen bestärkt, diesen Weg einzuschlagen. „Zum Glück gibt es auch keine Altersgrenze mehr“, ergänzt Illigens, wie sich schließlich alles zum Guten fügte.
Die Hälfte ihrer Arbeitszeit wird die Mutter von zwei Kindern in ihre Ausbildung stecken. Der theoretische Teil gliedert sich in Selbstlernphasen und Präsenztage beim Bistum in Münster. Die andere Hälfte bleibt ihr für die operative Tätigkeit in der Gemeinde. Pastoralreferentin Sabine Grimpe steht ihr dafür als Mentorin zur Seite. „Ich werde sie viel begleiten, um die Arbeit und die Gemeinde kennenzulernen“, sagt Illigens voraus.


Angesprochen auf ihren Empfang in der Gemeinde sagt die angehende Seelsorgerin, dass dieser zwar herzlich gewesen sei, aber dennoch unter dem Einfluss des Coronavirus gestanden habe. „Die Arbeit in den Gruppen startet jetzt erst wieder langsam“, erklärt sie. Viele Gemeindemitglieder seien noch zurückhaltend. Sie hofft, dass die Gemeinde spätestens zu den Feiertagen wieder enger zusammenrücken kann, sofern es die Gesundheit zulässt.

 

Drei Fragen an Britta Illigens,

angehende Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Jakobus Ennigerloh.


„Die Glocke“: Wie haben Sie Ihre ersten Tage in der Pfarrei in Ennigerloh wahrgenommen?

Illigens: Ich habe zuerst selbstverständlich das Team kennengelernt. Alle haben mich total offen und freundlich aufgenommen. Ich hatte das Gefühl, dass sich jeder darüber freut, dass ich da bin. Ich fühle mich einfach sehr wohl, weil ich merke, dass sich alle auf die Zusammenarbeit freuen.


„Die Glocke“: Was werden in den nächsten Jahren herausfordernde Aufgaben für Sie sein?

Illigens: Es ist immer schwieriger geworden, die Gemeinde zusammenzuhalten. Es gibt immer mehr Projekte, und wir werden immer mehr Ehrenamtliche dafür benötigen. Trotzdem müssen die Seelsorger als Ansprechpartner erhalten bleiben. Es hinzubekommen, jeder Gruppierung gerecht zu werden, wird schwierig.


„Die Glocke“: Welche Themen liegen Ihnen in der kirchlichen Arbeit besonders am Herzen?

Illigens: Ich möchte erst einmal sämtliche Gruppierungen kennenlernen. Das, was ich jetzt schon sagen kann, ist, dass mir die Arbeit mit älteren Menschen sehr wichtig ist und mir am Herzen liegt. Ich finde es wahnsinnig, was diese Menschen auch an Geschichte mitbringen. Deshalb finde ich den Austausch mit ihnen ganz wichtig. Aber auch die Arbeit mit jungen Menschen liegt mir am Herzen, weil sie noch so große Freude haben und unvoreingenommen sind. (yalo) 

 

Hintergrund

Laut dem Institut für Diakonat und pastorale Dienste im Bistum Münster gibt es mehrere Zugangswege zum Beruf des Pastoralreferenten: das Bachelorstudium Religionspädagogik, das Universitätsstudium der Katholischen Theologie mit Magisterabschluss und den Masterabschluss eines anderen theologischen Studiengangs. Bewerbern ohne Abitur bietet das Bistum Münster an, sie über vier Jahre praxisbegleitend zum Pastoralreferenten auszubilden. Voraussetzung für eine Bewerbung ist ein qualifizierter Schulabschluss, eine abgeschlossene Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung. „Die theologische Qualifikation wird über ein berufsbegleitendes Fernstudium an der Domschule Würzburg erworben“, schreibt das Bistum.


Letzteren Bildungsweg geht Britta Illigens. Schließt sie das Fernstudium ab, ist sie auch dazu befähigt, schulischen Religionsunterricht zu geben. (yalo)