Reinigung der Klein-Orgel in St. Mauritius-Enniger

Zeitungsartikel "Die Glocke" | 01.09.2020

 

Orgel in der St.-Mauritius-Kirche 

Putzen für das perfekte Klangerlebnis

Enniger (yalo). Wer das Treiben an der St.-Mauritius-Kirche in Enniger genauer beobachtet, dem könnte seit geraumer Zeit ein neuer Dauergast aufgefallen sein: Johannes Klein. Der 50-jährige Oelder reinigt in mühseliger Kleinarbeit die Orgel. Es ist nicht weniger als ein exklusiver Anblick, der sich Gläubigen bietet, die in diesen Tagen das Gotteshaus am Kirchplatz aufsuchen.


„So eine Orgel wird in der Regel nur alle 20 Jahre gereinigt“, sagt Klein. Die jüngsten Renovierungsarbeiten in der Kirche machten den Griff zu Bürste und Lappen nun schon nach 17 Jahren notwendig. „Die Orgel konnte nicht mehr gespielt werden“, berichtet der Orgelbaumeister vom Ergebnis seiner Sichtung vor rund einem Jahr.


Rund sechs bis sieben Wochen dauern die Arbeiten insgesamt. Knapp zwei Wochen sind vergangen, als die „Glocke“ Klein an seinem Arbeitsplatz auf Zeit besucht. Wo sich seine Wirkungsstätte befindet, ist unübersehbar. Kirchenbänke und rot-weißes Flatterband machen unmissverständlich klar, wo der öffentlich zugängliche Bereich endet. Dennoch ist ein Blick hinter die Kulissen erlaubt. Zahlreiche Orgelpfeifen buhlen – nach Registern geordnet – um die Blicke des ein oder anderen Kirchenbesuchers.


Wie viele Pfeifen es genau sind? „1552“, sagt Johannes Klein wie aus der Pistole geschossen. Die Innenreinigung der Pfeifen erfolgt mit verschiedenen großen Bürsten, die Außenreinigung mit einem feuchten Lappen. „In den Pfeifen setzt sich durch das Abbrennen der Kerzen viel Ruß ab“, erklärt der Fachmann. Etwas schwieriger als die Pfeifenreinigung gestaltet sich der Kampf gegen den Schimmel, der sich auf manchen Pfeifenbrettern breit gemacht hat. Sie werden abgesaugt und mit alkoholhaltigen Konzentraten gereinigt. „Viele Kirchen heizen im Winter nur auf einem Minimum und drehen zu den Messen dann kräftig auf“, erläutert Klein. „Es bildet sich eine Art Tau.“ Damit dieser unerwünschte Effekt künftig vermieden wird, regulieren computergesteuerte Kirchenfenster in Abhängigkeit von Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Luftzufuhr.


Nach der Reinigung und dem Einbau aller Teile gib es laut Klein eine rund 14-tägige sogenannte Nachintonation. „Wir prüfen die Töne, machen sie zum Beispiel lauter oder leiser.“ Klein verspricht, dass Organist und Gemeinde die Reinigungsarbeiten bemerken werden. „Die Orgel braust und geht ab“, sagt er und ergänzt: „Darauf kann man gute Literatur spielen.“

 

Drei Fragen an Johannes Klein,

Orgelbaumeister.


„Die Glocke“: Wie sind Sie zum Beruf des Orgelbauers gekommen?
Johannes Klein: Mein Berufsleben hat damit begonnen, dass ich eine Schlosserlehre gemacht habe, weil ich gern Ingenieur werden wollte. Aber als ich dann später an der Universität war, hat es bei mir bei der vierten Dimension in Mathematik aufgehört. Ausschlaggebend war am Ende eine Reportage über einen rheinischen Orgelbauer, die ich mit meiner damaligen Freundin im Fernsehen gesehen habe. Das wollte ich machen. Und so kam es dann auch.


„Die Glocke“: Was macht die klassische Orgel im Vergleich zur digitalen Orgel bis heute besonders?
Johannes Klein: Es ist die Handwerkskunst. Die Orgel ist keine Spanplattenkiste mit Tasten, sondern ein aus Massivholz gefertigtes Kirchenmöbel. Der andere große Unterschied ist die Klangerzeugung. Bei einer Orgel kommt aus jeder einzelnen Pfeife eine Schwingung, die durch den Raum geht und das menschliche Ohr trifft. Bei der digitalen Orgel müssen sich alle Klänge durch die einzige Membran des Lautsprechers durchzwängen.


„Die Glocke“: Wie sieht die Zukunft des Orgelbauers in Anbetracht klammer Gemeindekassen und schließender Kirchen aus?
Johannes Klein: Vermutlich wird es irgendwann mal heißen: „Der Letzte seines Standes.“ Die Entwicklung der Kirche kann ich nicht prophezeien. Die Orgelbaufirmen werden sich mit Sicherheit gesund regulieren. Orgelbaumeister, die in Rente gehen, werden ihre Betriebe schließen. (yalo) 


Bildergalerie