Zeitungsartikel "Die Glocke" | 29.09.2020

 

Kath. Pfarrei St. Jakobus

Andreas Dieckmann: „Ohne Laien gäbe es keine Kirche“

Von Jana Hövelmann 


Ennigerloh (gl). Immer weniger Männer wollen in Deutschland Priester werden. Zugleich steigt die Zahl der Kirchenaustritte. Laien gewinnen in diesem Wandel für die katholische Kirche zunehmend an Bedeutung. „Sie sind unverzichtbar“, sagt Andreas Dieckmann, Leitender Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Jakobus Ennigerloh. 


„Und das seit jeher. Denn ohne sie gäbe es keine Kirche.“ Dies zu verdeutlichen, sei ihm ein besonderes Anliegen. „Unser Ziel ist es, sich in unserer Pfarrei in der Breite dessen aufzustellen, was Kirche ist“, betont Dieckmann. „Wir wollen nicht aus der Not heraus auf Laien zurückgreifen müssen. Sie sind für uns kein Lückenbüßer. Wir wollen, dass sie sich einbringen, weil sie eine Bereicherung für das Gemeindeleben sind, weil sie es bunter machen.“ Zweifelsohne würden Laien umso wichtiger, je weniger Geweihte es gebe. „Das steht außer Frage.“ 


Doch wie schwierig ist es für die Pfarrei St. Jakobus, insbesondere Ehrenamtliche zu finden? „Wir haben es bisher immer geschafft“, sagt Pastoralreferentin Sabine Grimpe. Aber die Suche sei kein Selbstläufer. „Das Ehrenamt lebt von der persönlichen Ansprache. Wir müssen auf die Menschen aktiv zugehen und sie fragen, ob sie sich einbringen wollen.“ Auch wenn die Gemeinden immer kleiner würden, sagt Dieckmann, habe er das Gefühl, dass im Verhältnis mehr Menschen bereit seien, sich für ihren Glauben zu engagieren. Häufig stelle es kein Problem dar, Ehrenamtliche für ein zeitlich überschaubares Projekt, zum Beispiel den Kinderbibeltag, zu gewinnen. „Bei Posten, die mit einer längerfristigen Bindung einhergehen, wird es jedoch schwieriger“, ergänzt Grimpe. Dazu zähle zum Beispiel die Besetzung von Leitungsgremien wie Gemeinde-, Pfarrei- und Verwaltungsrat sowie Kirchenvorstand. Einen Grund dafür sieht die studierte Religionspädagogin in der Berufstätigkeit vieler Menschen. „Sie sind in ihrem Job so eingebunden, dass für das Ehrenamt nicht mehr viel Zeit bleibt.“ 


Gut angenommen worden sei vor einigen Jahren die Möglichkeit, sich als Wortgottesleiter ausbilden zu lassen, hebt Dieckmann hervor. „Auf diesem Weg ist es uns gelungen, dass die Liturgie breiter aufgestellt ist.“ 
Von Bedeutung sei, dass die Ehrenamtlichen nicht das Gefühl erhielten, allein gelassen zu werden. „Sie müssen das Gefühl haben, von uns hauptamtlichen Kräften getragen zu werden“, verdeutlicht Sabine Grimpe. „Dabei sein und mitmachen“ laute deshalb die Devise. „Die persönliche Präsenz ist das A und O“, fasst Dieckmann zusammen. 
 

Hintergrund

 

Das Wort „Laie“ stammt vom griechischen Begriff „laos“ ab und bedeutet „Volk“. „Im kirchlichen Sinn ist damit das Gottesvolk gemeint“, verdeutlicht Pfarrer Andreas Dieckmann. „Und ohne Gottesvolk würde Kirche nicht funktionieren.“ 


Als Laien werden in der katholischen Kirche getaufte und gefirmte Christen bezeichnet, die nicht zu den Klerikern zählen. „Unterschieden wird folglich zwischen Geweihten, also Bischöfen, Priestern und Diakonen, sowie Nicht-Geweihten“, erklärt Dieckmann. Nicht-Geweihte würden wiederum in hauptamtliche Kräfte – zum Beispiel Küster oder Pastoralreferenten – und ehrenamtliche Kräfte – zum Beispiel Katecheten und Messdiener – untergliedert. Laien können an der Gestaltung einer Gemeinde mitwirken, die Leitung obliegt jedoch dem Pfarrer. (jahö)