Zeitungsartikel "Die Glocke" | 28.10.2020

 

Arbeiten kurz vor Abschluss 

Dieckmann: „Die Kirche ist eine Augenweide“

Von Till Junker 


Ennigerloh (gl). Neuer Putz, neue Steine und Fugen, die bleiverglasten Fenster gereinigt und überarbeitet: Die umfangreichen Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten an der St.-Jakobus-Kirche in Ennigerloh sind nahezu abgeschlossen. „Die Kirche hat wahnsinnig gewonnen“, sagt Andreas Dieckmann. „Sie ist eine Augenweide im Vergleich zu früher.“ Dass die Sanierung aber bis Ende 2020 dauern würde, damit hatte der Leitende Pfarrer der Pfarrei St. Jakobus allerdings nicht gerechnet. 
 

Die Arbeiten hatten bereits im Frühjahr 2016 begonnen – streng nach Vorgaben des Denkmalamts. Dabei stellte sich heraus, dass der Sanierungsbedarf erheblich höher sein würde als zunächst geplant. Vor allem das Mauerwerk war an vielen Stellen marode. „Wir hatten nicht mit so großen Schäden gerechnet“, sagt Dieckmann. 
Die Fassade der St.-Jakobus-Kirche ist zweigeteilt. Sie ist zum einen verputzt und besteht zum anderen aus einem Natursteinmauerwerk. „Ein Großteil der Steine war abgängig“, erklärt Manfred Heiringhoff vom gleichnamigen Oelder Architekturbüro, das die Sanierung leitet. Bis zu 50 Prozent der Steine mussten ausgetauscht werden. Teilweise seien ganze Brocken herausgefallen. „Das war nicht mehr sicher“, stellt der Architekt heraus. Die abgängigen Kalksteine, die vermutlich aus Ennigerloher und Beckumer Steinbrüchen stammen, wurden durch Tudorfer Kalksteine ersetzt, die Heiringhoff zufolge erheblich härter und witterungsbeständiger sind. Sie sind dunkler als die heimischen und somit gut in der Fassade zu erkennen.

 

Die Arbeiten hatte das Unternehmen Mathis aus Höxter übernommen. Die Steinmetze des Fachbetriebs für Baudenkmalpflege tauschten nicht nur die kaputten Steine aus. Bis auf den Kirchturm schnitten sie auch sämtliche Fugen aus den Natursteinflächen heraus und ersetzten sie. Die Wasserschläge – am Außenbau vorragende Abschrägungen, um das Wasser abzuleiten – mussten ebenso wie die Fensterbänke teilweise ersetzt werden.

 

In den verputzten Flächen hatten sich Risse gebildet. Damals hatte man reinen Zementputz verwendet. „Heute weiß man, dass dieser nicht so widerstandsfähig ist“, erklärt Heiringhoff. Der Zement- wurde durch Kalkputz ersetzt. Auch das dahinter liegende, zum Teil wild zusammengewürfelte und stark beschädigte Mauerwerk wurde wiederhergestellt. 

 

Die Baustelle war in fünf Abschnitte unterteilt worden und wanderte in den vergangenen Jahren entgegen dem Uhrzeigersinn von der Sakristei aus einmal um das Gotteshaus herum. Die Sanierungsarbeiten sollen in diesem Jahr abgeschlossen werden. 

 

Restaurierung im Inneren wurde vorgezogen 

 

Ennigerloh (tiju). Ursprünglich sollte die Fassade schon früher saniert und im Anschluss die St.-Jakobus-Kirche von innen restauriert werden. Von außen nach innen – „das ist der übliche Weg“, erklärt Verwaltungsreferent Andreas Decker. Stattdessen ging es genau andersherum. Der Grund: die Profanierung der St.-Ludgerus-Kirche 2013. „Es galt, eine neue Heimstätte für beide Gemeinden zu schaffen“, erklärt Pfarrer Andreas Dieckmann.


Die Arbeiten dafür begannen 2012. Unter anderem wurde der Altar in die ursprüngliche Achse des Querhauses versetzt und komplett neu gestaltet, das Taufbecken wurde in den Chorbereich verschoben. So bilden Hauptportal, Altar und Taufstein heute die zentrale Achse der Kirche. Auch die Orgelbühne wurde saniert und die Bestuhlung erneuert. Darüber hinaus gehörten eine neue Heizung, eine neue Beleuchtung und ein neuer Anstrich zur aufwendigen Restaurierung. Auch Elemente aus der profanierten St.-Ludgerus-Kirche wurden in St. Jakobus mit aufgenommen.
Die Kosten für die Restaurierung beliefen sich auf rund 850 000 Euro. Für die Sanierung der Kirchenfassade rechnet Pfarrer Dieckmann in etwa noch einmal mit der gleichen Summe. Die Mittel stellt das Bistum Münster zur Verfügung.