Gedanken für die Woche

29. Mai 2020 (Pfingsten)

Liebe Christinnen und Christen,

 

sie sind sehr gefürchtet auf den Autobahnen: sogenannte Geisterfahrer – Menschen, die ihr Fahrzeug in die falsche Richtung steuern, entgegenkommende Fahrzeuge, oftmals Verursacher schwerer, bisweilen tödlicher Unfälle!

 

Ganz anderes sind Geist–Erfahrer! Das sind Menschen, die eine Ausstrahlung haben, die aus der Tiefe leben, die oftmals die richtige Richtung angeben, die zu Glück und ja, auch Heil der Mitmenschen beitragen, Menschen, die andere (und sich) durch das Leben ins Leben führen. Sie können es, weil sie sich dem Wirken nicht irgendeines Geistes, sondern des Geistes Gottes geöffnet haben.

 

Woran aber erkennt man ihn, den Geist, den Atem Gottes? Einen guten Baum erkennt man an seinen Früchten. Und so ist es auch mit dem Geist Gottes.

 

Paulus schreibt darüber in einem Brief an die Gemeinde in Galatien, einer Gemeinde, die sich im Gebiet des heutigen Ankara befand:

 

„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht. Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen. Wir wollen nicht prahlen, nicht miteinander streiten und einander nichts nachtragen.“ (Gal 5,22-26)

 

Wer also den Geist erfahren hat, wer ein Geist-Erfahrer, eine Geist Erfahrerin ist, ist ein freundlicher und liebender Mensch, einer, der den Frieden sucht, nicht ständig im Vordergrund stehen muss, einer, der gütig und menschenfreundlich ist und vor allem einer, der verzeihen kann, Barmherzigkeit lebt. Solchen Menschen begegne ich – gleich, ob sie religiös und/oder konfessionell gebunden sind, denn bekanntlich weht ja der Geist Gottes, wo er will. Und da, wo Menschen sich auf ihn einlassen, ihn ins Leben einlassen, da bekommt ihr Leben eine gute Aus-Richtung, da wird das Leben gottausgerichtet.

 

So wünsche ich euch und Ihnen die befreiende Erfahrung des Geistes Gottes!

Euch und Ihnen ein gesegnetes und frohes Pfingstfest

Ihr und euer Pastor Andreas Dieckmann

24. Mai 2020

Wie sollen wir Christen auf die Coronavirus-Pandemie reagieren?
Wenn wir uns die Schließung von Schulen, die Absage von Sportveranstaltungen, die Verschiebung von Feierlichkeiten und sogar die Schließung von Kirchen ansehen, fragen wir uns, „was ist der Sinn dieser beispiellos drastischen Maßnahmen, die ergriffen wurden?“. Was versuchen wir zu stoppen?
Was fürchten wir, könnte passieren? Was macht so vielen Menschen Sorgen? Gibt es da draußen wirklich einen unsichtbaren Feind, den wir nicht kontrollieren können? Einen Feind, den keine Armee auf der Welt aufhalten kann und den die Vorräte an Atomwaffen nicht abschrecken können?

Wie sollte ich als Priester oder Christ auf diese Situation reagieren?

 

Psalm 91 sagt:


„Wer im Schutz des Höchsten wohnt, wird im Schatten des Allmächtigen ruhen. Ich werde vom Herrn sagen: Er ist meine Zuflucht und meine Festung, mein Gott, auf den ich vertraue“. “Sicher wird er dich vor der Schlinge des Jägers und vor der tödlichen Pest retten. Er wird dich mit seinen Federn bedecken, und unter seinen Flügeln wirst du Zuflucht finden; Seine Treue wird dein Schild und Wall sein. Du brauchst weder den Schrecken der Nacht noch den Pfeil fürchten, der tagsüber fliegt, noch die Pest, die in der Dunkelheit herumpirscht, noch die Seuche, die am Mittag wütet. Tausend mögen an deiner Seite fallen, zehntausend zu deiner Rechten, aber es wird dich nicht treffen. “

 

Meine Einstellung zu dieser Pandemie möchte ich wie folgt beschreiben;

Erstens müssen wir uns als Nachfolger Christi daran erinnern, dass unser Gott eine „Zuflucht und Stärke, eine sehr gegenwärtige Hilfe in Zeiten der Not“ ist (Ps 46,1).

 

Gott hat uns keinen Geist der Angst gegeben. Wir sollten nicht in Panik geraten. Unser himmlischer Vater ist immer noch der allwissende, allgegenwärtige und allmächtige Gott.

 

Zweitens müssen wir für alle, die infiziert wurden, für diejenigen, die infiziert werden, und für ihre Familien beten. Wir müssen zu Gott beten und ihn bitten, die Welt von dieser Bedrohung unserer Gesundheit und unseres Wohlbefindens zu befreien. Wir müssen um Weisheit, Führung und Schutz für unsere internationalen, staatlichen und lokalen Führer beten, die versuchen, ihre Macht zum Schutz der Bürger einzusetzen.

Drittens müssen wir die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen treffen. Hören Sie den medizinischen Experten zu. Seien Sie informiert, sensibel und weise im Umgang mit dieser Pandemie. Wenn die Behörden beispielsweise keine Treffen mit mehreren Personen empfehlen, dann ist es notwendig, solchen Anweisungen zu folgen, sie zu akzeptieren zum Schutz für uns selbst und für unsere Mitmenschen. Seien Sie nicht leichtsinnig und besserwisserisch.

 

Viertens: Tun Sie nichts wissentlich, was andere gefährden würde. Versuchen Sie, denjenigen zu helfen, die Hilfe bei der Bewältigung der Folgen dieser Pandemie benötigen. Und während dieses ganzen Prozesses müssen wir uns als Nachfolger Christi immer an den Befehl des Herrn Jesus erinnern und ihn in unserem Bewusstsein haben, „deinen Nächsten wie dich selbst zu lieben“ (Markus 12, 31) und „anderen zu tun, wie du es haben möchtest, dass sie dir tun “ (Lukas 6:31). Rücksichtnahme und Nächstenliebe sind das Gebot der Stunde. Lasst uns alle beten, dass unsere Mitmenschen, wenn wir auf diese Krise zurückblicken, diese Episode unserer Geschichte als eine sehen, die die Ehre des Herrn widerspiegelt, weil wir in seinem Namen ihnen gedient und geholfen haben.


Ihr Pastor Shaji Sebastian